Stell dich auf ein Bein und schließe die Augen. Wenn du keine fünf Sekunden ruhig stehen bleibst, bist du damit nicht allein, und du kannst es ändern.
Gleichgewicht ist keine Eigenschaft, die man hat oder nicht hat. Es ist eine Fähigkeit, die auf Training reagiert, und zwar in jedem Alter. Bei Menschen über 65 senkt gezieltes Gleichgewichtstraining die Zahl der Stürze nachweislich um rund ein Viertel (Cochrane-Übersicht, 2019).
Hier stehen 22 Übungen: vier ganz ohne Ausrüstung, neun für das Balance Board und je drei für Balance Pad, Therapiekreisel und Balance Kissen. Dazu ein Selbsttest mit Richtwerten, ein Wochenplan zum Ausdrucken und die Übungen, die bei Beschwerden mit dem Gleichgewichtsorgan tatsächlich helfen.
Was ist der Gleichgewichtssinn?
Gleichgewicht ist kein einzelner Sinn, sondern die Rechenleistung des Gehirns aus drei Informationsquellen, die ständig zusammenlaufen (gesundheitsinformation.de).
- Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr: Drei mit Flüssigkeit gefüllte Bogengänge messen Drehbewegungen des Kopfes, zwei weitere Organe messen Beschleunigung und die Lage im Verhältnis zur Schwerkraft. Dieses System meldet, wenn du abbiegst, dich bückst oder anfährst.
- Die Augen: Sie liefern den Bezug zum Raum. Wie stark du dich darauf verlässt, merkst du sofort, wenn du die Augen schließt: Die Standzeit auf einem Bein bricht um rund 80 Prozent ein.
- Die Tiefensensibilität: Rezeptoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken melden laufend, wie deine Körperteile zueinander stehen. Vor allem die Rezeptoren in Fußsohle und Sprunggelenk arbeiten beim Stehen ununterbrochen.

Das Gehirn gleicht die drei Meldungen ständig ab. Passen sie nicht zusammen, entsteht Schwindel, so wie auf dem Schiff, wenn das Innenohr Bewegung meldet und die Augen die ruhige Kabinenwand sehen.
Warum Training überhaupt wirkt: Trainierbar sind vor allem zwei der drei Quellen, nämlich die Tiefensensibilität und die Fähigkeit des Gehirns, ihre Meldungen schnell zu verarbeiten. Genau darauf zielen alle Übungen in diesem Artikel: Sie nehmen dir Stück für Stück die Sicherheit weg, die du sonst über die Augen und einen festen Boden bekommst.
Selbsttest: wie gut ist dein Gleichgewicht?
Der Einbeinstand ist der Standardtest, weil er nichts kostet und trotzdem aussagekräftig ist. So geht er:
- Stelle dich barfuß oder in Socken auf einen festen Boden, in der Nähe einer Wand oder Lehne, die du im Notfall greifen kannst.
- Verschränke die Arme vor der Brust und hebe ein Bein an, sodass der Fuß frei in der Luft hängt, ohne das Standbein zu berühren.
- Stoppe die Zeit, bis du das gehobene Bein absetzt, das Standbein versetzt oder die Arme löst.
- Wiederhole den Test mit geschlossenen Augen. Hier sind die Zeiten deutlich kürzer, das ist normal.
Zum Vergleich die Richtwerte aus einer Untersuchung an 549 gesunden Erwachsenen (Springer et al., 2007). Angegeben ist jeweils der Durchschnitt der jeweiligen Altersgruppe.
| Alter | Augen offen | Augen geschlossen |
|---|---|---|
| 18 bis 39 Jahre | etwa 43 Sekunden | etwa 9 Sekunden |
| 40 bis 49 Jahre | etwa 40 Sekunden | etwa 7 Sekunden |
| 50 bis 59 Jahre | etwa 37 Sekunden | etwa 5 Sekunden |
| 60 bis 69 Jahre | etwa 27 Sekunden | etwa 3 Sekunden |
| 70 bis 79 Jahre | etwa 15 Sekunden | etwa 2 Sekunden |
| ab 80 Jahren | etwa 6 Sekunden | etwa 1 Sekunde |
So liest du das Ergebnis: Liegst du deutlich unter dem Wert deiner Altersgruppe, lohnt sich das Training besonders. Liegst du darüber, nimm den Test in der schweren Variante: auf einem weichen Untergrund, mit geschlossenen Augen oder während du rückwärts von 100 in Siebenerschritten zählst. Wichtiger als der Startwert ist ohnehin die Veränderung: Miss alle vier Wochen nach.
Warum ist der Gleichgewichtssinn wichtig?

Ohne Gleichgewichtssinn könntest du weder aufrecht stehen noch frei sitzen. Interessanter als diese Selbstverständlichkeit ist, was gutes Gleichgewicht praktisch bringt:
- Weniger Stürze: Das ist der am besten belegte Effekt überhaupt. Eine Auswertung von 108 Studien mit über 23.000 Teilnehmenden zeigt, dass Übungsprogramme mit Gleichgewichtsanteil die Sturzrate bei älteren Menschen um etwa 24 Prozent senken (Sherrington et al., 2020).
- Stabilere Gelenke: Die Muskulatur um Sprunggelenk und Knie reagiert schneller auf unerwartete Bewegungen. Genau das schützt vor dem Umknicken, und zwar auch beim Sport.
- Bessere Haltung: Gleichgewichtstraining arbeitet fast immer über die tiefliegende Rumpfmuskulatur, also über die Muskeln, die die Wirbelsäule aufrecht halten. Mehr dazu bei der Tiefenmuskulatur.
- Schnellere Koordination: Verbessert wird nicht der Muskel, sondern das Zusammenspiel von Nerv und Muskel. Bei gesunden älteren Erwachsenen ist dieser Effekt in einer Meta-Analyse über 42 Studien klar nachweisbar (Lesinski et al., 2015).
Und noch ein Punkt, der oft untergeht: Gleichgewicht entwickelt sich in der Kindheit über freies Spielen, Klettern und Balancieren. Kinder, die viel auf unebenem Untergrund unterwegs sind, brauchen dafür kein Gerät.
Trainingsplan für zuhause (zum Ausdrucken)
Gleichgewichtstraining braucht wenig Zeit, aber Regelmäßigkeit. Zehn Minuten an drei Tagen pro Woche bringen mehr als eine Stunde am Sonntag. Dieser Plan kommt ohne Ausrüstung aus, du kannst ihn ausdrucken und an den Kühlschrank hängen.
| Tag | Übung | Umfang | Steigerung ab Woche 4 |
|---|---|---|---|
| Montag | Einbeinstand (#1) | 3 mal 30 Sekunden je Bein | Augen schließen |
| Montag | Zehenstand (#3) | 3 mal 20 Sekunden | einbeinig |
| Mittwoch | Ausfallschritt (#2) | 3 mal 8 Wiederholungen je Seite | Füße enger stellen |
| Mittwoch | Waage (#4) | 3 mal 20 Sekunden je Seite | Gegenstand auf der Hand |
| Freitag | Einbeinstand auf weichem Untergrund | 3 mal 30 Sekunden je Bein | dazu den Kopf drehen |
| Freitag | Zehenstand und Waage im Wechsel | je 2 Durchgänge | Augen schließen |
| Täglich nebenbei | Zähneputzen auf einem Bein | 2 mal 2 Minuten | Augen schließen |
Wie lange bis zum Ergebnis: Die ersten Fortschritte spürst du nach zwei bis drei Wochen, messbar wird es meist nach vier bis sechs. Wichtig ist, die Übungen wirklich an der eigenen Grenze zu machen. Eine Übung, bei der du nicht wackelst, trainiert dein Gleichgewicht nicht mehr.
Gleichgewicht trainieren: Übungen ohne Geräte
Diese vier Übungen brauchen nichts außer einem Quadratmeter Platz. Stelle dich zum Start in die Nähe einer Wand oder einer Stuhllehne, damit du dich abfangen kannst.
#1 Einbeinstand
Die Grundübung, und die mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Stelle dich auf ein Bein und halte so lange wie möglich, dann wechsle die Seite. Drei Durchgänge je Bein.
So machst du sie schwerer, in dieser Reihenfolge:
- Das freie Bein langsam nach vorne und hinten schwingen.
- Den Kopf dabei nach links und rechts drehen.
- Die Augen schließen. Das ist der größte Sprung, erwarte deutlich kürzere Zeiten.
- Auf einen weichen Untergrund wechseln, etwa ein Sofakissen oder ein Balance Pad.
- Gleichzeitig eine Denkaufgabe lösen, zum Beispiel rückwärts zählen. Diese Doppelaufgabe kommt der Realität am nächsten, denn im Alltag stolpert man selten, während man sich konzentriert.
#2 Ausfallschritt
- Stelle dich mit den Füßen hüftbreit auseinander hin.
- Gehe mit einem Fuß nach vorne und mit dem anderen nach hinten.
- Senke die Hüfte, bis das vordere Bein einen rechten Winkel bildet und das hintere Knie fast den Boden berührt.
- Halte den Oberkörper aufrecht, das vordere Knie bleibt über dem Fuß und kippt nicht nach innen.
- Halte kurz, richte dich auf und wechsle das Bein.
Wird es leichter, stelle die Füße enger zusammen. Für Fortgeschrittene: den hinteren Fuß auf eine Erhöhung stellen oder die Bewegung ganz langsam über vier Sekunden ausführen.
#3 Zehenstand
Stelle die Füße nebeneinander und gehe auf die Zehenspitzen. Halte die Position, ohne stark zu wackeln. Diese Übung trainiert gleichzeitig die Wadenmuskulatur, die beim Ausgleichen von Wackelbewegungen als erste arbeitet.
Steigerung: langsam auf und ab gehen, dann einbeinig, dann auf weichem Untergrund.
#4 Waage
- Lege einen Gegenstand deiner Wahl auf die geöffnete Handfläche, etwa ein Buch oder eine Wasserflasche.
- Strecke diese Hand nach vorne und das gegenüberliegende Bein nach hinten, bis der Oberkörper waagerecht steht.
- Stabilisiere dich und den Gegenstand.
- Halte die Position und wechsle dann die Seite.
Der ausgestreckte Gegenstand verschiebt deinen Schwerpunkt und zwingt die Rumpfmuskulatur zur Arbeit. Ohne Gegenstand ist die Übung deutlich einfacher, das ist die Einsteigerversion.
Gleichgewicht im Alltag trainieren
Der wirksamste Trainingsplan ist der, den du nicht vergisst. Diese Gelegenheiten kosten dich keine zusätzliche Zeit:
- Zähneputzen auf einem Bein: Zwei Minuten, zweimal täglich, Seite nach der Hälfte wechseln. Damit kommst du auf mehr Trainingszeit als mit den meisten Programmen.
- Socken im Stehen anziehen: Ohne dich abzustützen, das ist schwerer als es klingt.
- Bus und Bahn ohne Festhalten: Locker stehen, Knie leicht gebeugt, Hand nah an der Stange, aber ohne sie zu greifen. Das Anfahren und Bremsen erledigt das Training.
- Treppe ohne Geländer: Beim Hinaufgehen bewusst auf die Fußstellung achten, statt zu greifen. Beim Hinuntergehen bleibt das Geländer in Reichweite.
- Auf Bordsteinkanten balancieren: Kein Kinderkram, sondern genau die Bewegung, die im Alltag sonst fehlt.
- Rückwärts oder auf einer Linie gehen: Ferse an Zehenspitze, ein paar Meter im Flur. Wenn das leicht fällt: mit geschlossenen Augen und einer Hand an der Wand.
Gleichgewicht trainieren mit einem Balance Board
Ein Balance Board ist ein Brett, das auf einer Rolle, meist aus Kork, balanciert wird. Der Untergrund kippt in alle Richtungen, dadurch muss deine Muskulatur ununterbrochen nachregeln. Das macht auch bekannte Übungen wie Kniebeuge oder Plank zu einer Gleichgewichtsaufgabe.

Für den Anfang: Stelle das Board vor eine Wand und lege die Hände auf. Erst wenn du eine Minute frei stehen kannst, sind die folgenden Übungen sinnvoll. Ein Teppich unter dem Board bremst die Rolle und ist zum Üben angenehmer als glattes Parkett.
Wahu Board Ocean Blue
Gekrümmtes Balance Board in hochwertigem Design#5 Sanftes Hin und Her
Die Aufwärmübung. Stelle dich hüftbreit auf das Brett und verlagere dein Gewicht langsam von links nach rechts, sodass die Kanten abwechselnd den Boden berühren. Beine und Hüfte bleiben locker, die Bewegung kommt aus den Sprunggelenken. Zehn Wiederholungen, dann durchatmen und zwei weitere Durchgänge.

#6 Hüfte kreisen
Stelle dich locker auf das Board, die Füße hüftbreit, die Hände in die Seiten gestemmt. Lasse die Hüfte kreisen, 20 Sekunden links herum, dann 20 Sekunden rechts herum. Zwei weitere Durchgänge. Die Übung lockert die Hüfte und schult gleichzeitig das Gefühl dafür, wo dein Schwerpunkt liegt.

#7 Kniebeuge
Stelle dich breitbeinig auf das Board und beuge langsam die Knie. Der Rücken bleibt gestreckt, die Knie schieben nicht über die Fußspitzen hinaus. Richte dich langsam wieder auf. Drei Wiederholungen sind für den Anfang genug, gut Trainierte schaffen fünf oder mehr.

#8 Ausfallschritt auf das Board
Stelle dich etwa zwei Schrittlängen vor das Board. Setze den rechten Fuß darauf, das Knie im rechten Winkel, das hintere Knie bleibt in der Luft. Richte dich wieder auf. Vier Wiederholungen, dann die Seite wechseln. Die Übung trainiert Oberschenkel und Gesäß mit.

#9 Sit-ups
Setze dich auf das Board und ziehe die Beine an, bis die Knie einen rechten Winkel bilden. Strecke die Beine nach vorne aus, während du dich leicht nach hinten lehnst, und ziehe sie dann langsam wieder heran, ohne sie abzulegen. Sieben Wiederholungen sind ein gutes Ziel.

#10 Mountain Climbers
Gehe in die Liegestützposition, die Hände etwas mehr als schulterbreit auf dem Board. Der Körper bildet eine gerade Linie und hängt nicht durch. Ziehe abwechselnd ein Knie zur Brust, das andere Bein bleibt gestreckt. Acht Wiederholungen je Bein, dann Pause.

#11 Brücke
Lege dich auf den Rücken und stelle die Füße auf dem Board ab. Die Arme liegen entspannt neben dem Körper. Hebe das Becken mit der Ausatmung an, bis Oberschenkel und Oberkörper eine Linie bilden. Halte bis zu 60 Sekunden und senke dann ab. Drei bis fünf Durchgänge. Neben dem Gesäß arbeitet hier vor allem der untere Rücken.

#12 Plank
Stütze die Unterarme schulterbreit auf dem Board ab, die Beine sind gestreckt, der Körper bildet eine gerade Linie. Weil das Brett unter dir kippt, muss der Rumpf ständig gegensteuern. Halte, solange die Linie sauber bleibt, und brich ab, sobald die Hüfte absackt. Mehr davon in den Stabilisationsübungen.

#13 Side Plank
Stütze dich mit dem rechten Unterarm auf das Board und stelle die Füße seitlich übereinander. Der Körper bildet eine gerade Linie, der linke Arm zeigt nach oben. Halte die Position und senke die Hüfte anschließend leicht ab und hebe sie wieder, ohne den Boden zu berühren. Dann die Seite wechseln.

Gleichgewicht trainieren mit einem Balance Pad
Ein Balance Pad ist ein weiches Schaumstoffkissen. Es kippt nicht wie ein Board, sondern gibt unter dem Fuß nach. Damit fällt genau die Rückmeldung weg, die deine Fußsohle sonst vom festen Boden bekommt, und dein Körper muss stärker über Sprunggelenk und Hüfte arbeiten. Für den Einstieg ist das Pad deshalb das gutmütigere Gerät.

ALPIDEX Balance Pad
Gutmütiger Einstieg in weichen Untergrund#14 Auf- und Abspringen
Stelle dich mit beiden Füßen vor das Pad. Springe mit beiden Füßen darauf und fange die Landung ab, ohne einen Ausgleichsschritt zu machen. Dann wieder herunterspringen. Diese Übung trainiert die schnelle Reaktion, nicht das ruhige Halten.
#15 Kniebeuge auf dem Pad
Stelle dich schulterbreit auf das Pad und strecke die Arme nach vorne. Gehe langsam in die Hocke, ohne dass die Knie weit über die Zehen hinausragen, und komme wieder hoch. Auf dem weichen Untergrund arbeiten die kleinen Muskeln am Sprunggelenk deutlich mehr mit als am Boden.
#16 Einbeinstand auf dem Pad
Ein Fuß steht auf dem Pad, der andere schwebt. Halte einige Sekunden, dann wechsle. Das ist die direkte Steigerung von Übung #1 und die wichtigste Übung mit dem Pad überhaupt. Wenn sie leicht fällt, schließe die Augen.
Gleichgewicht trainieren mit einem Therapiekreisel
Ein Therapiekreisel ist eine runde Scheibe mit einer Halbkugel darunter. Anders als das Balance Board kippt er in alle Richtungen gleichzeitig, und weil die Standfläche klein ist, wirkt er sehr gezielt auf das Sprunggelenk. Genau deshalb kommt er in der Physiotherapie nach Bänderverletzungen zum Einsatz.

Sport-Thieme Therapiekreisel Balance
Der Klassiker aus der Praxis#17 Kreisel in alle Richtungen kippen
Stelle dich beidbeinig auf den Kreisel und kippe ihn langsam im Kreis, sodass der Rand nacheinander an allen Stellen den Boden berührt. Ohne abzusteigen. Zehn Runden in jede Richtung.
#18 Ausfallschritt zum Kreisel
Lege den Kreisel eine Schrittlänge vor dich. Setze einen Fuß darauf und senke den Körper, bis das hintere Knie fast den Boden berührt, das vordere Knie im rechten Winkel. Richte dich auf und wechsle das Bein.
#19 Einbeinstand auf dem Kreisel
Die anspruchsvollste Variante des Einbeinstands in diesem Artikel. Ein Fuß auf dem Kreisel, das andere Bein angehoben, halten. Wenn das sicher gelingt, führe das freie Bein langsam nach vorne und wieder zurück.
Gleichgewicht trainieren mit einem Balance Kissen
Ein Balance Kissen ist ein luftgefülltes Gummikissen. Über den Luftdruck stellst du selbst ein, wie instabil es sein soll, und das ist sein größter Vorteil: Ein Gerät wächst mit. Zusätzlich lässt es sich als Sitzkissen verwenden, wo es unbewusst die Rumpfmuskulatur beschäftigt.

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Das Original, auch als SitzkissenHinweis: Sogar für Hunde gibt es mittlerweile Balance Kissen.
#20 Auf- und Absteigen
Lege das Kissen auf eine flache Fläche. Steige mit einem Fuß darauf, ziehe den zweiten nach, halte kurz die Balance und steige kontrolliert wieder ab. Zehn Wiederholungen. Der Wechsel zwischen festem und weichem Untergrund ist hier der Trainingsreiz.
#21 Einbeinig stehen
Ein Bein auf dem Kissen, das andere angehoben, einige Sekunden halten. Mit wenig Luft im Kissen ist das machbar, mit viel Luft wird es schnell anspruchsvoll. Steigerung: Augen schließen.
#22 Kniebeuge auf dem Kissen
Stelle dich mit beiden Füßen auf das Kissen, strecke die Arme nach vorne und gehe langsam in die Hocke. Kehre kontrolliert zurück. Achte darauf, dass die Knie nicht nach innen kippen, das passiert auf weichem Untergrund leichter als am Boden.
Übungen für das Gleichgewichtsorgan bei Schwindel
Die Übungen weiter oben trainieren das Zusammenspiel von Muskeln und Nerven. Wenn aber das Gleichgewichtsorgan selbst betroffen ist, also bei anhaltendem Schwindel oder Drehschwindel, greift ein anderer Weg: die vestibuläre Rehabilitation. Ihre Wirksamkeit bei einseitiger Funktionsstörung des Innenohrs ist gut belegt (Cochrane-Übersicht, 2015).
Erst abklären lassen: Schwindel hat sehr unterschiedliche Ursachen, von harmlosem Lagerungsschwindel bis zu Erkrankungen, die dringend behandelt gehören. Die drei häufigsten Formen sind gut behandelbar, brauchen aber jeweils ein anderes Vorgehen (Strupp et al., 2020). Kläre die Ursache ärztlich ab, bevor du auf eigene Faust übst.
Diese beiden Übungen sind der Kern fast jedes vestibulären Programms und werden in der Regel dreimal täglich für ein bis zwei Minuten geübt:
- Blickstabilisierung: Halte einen Buchstaben oder einen Punkt auf Armlänge vor dich und fixiere ihn. Drehe nun den Kopf langsam nach links und rechts, während die Augen auf dem Punkt bleiben und er scharf bleibt. Der Punkt bleibt still, nur der Kopf bewegt sich. Später dieselbe Übung auf und ab, dann im Stehen, dann im Gehen.
- Gewöhnung an die auslösende Bewegung: Wiederhole genau die Bewegung, bei der dir schwindelig wird, langsam und mehrmals täglich. Das klingt unangenehm und ist es anfangs auch, aber Vermeidung verlängert die Beschwerden, während kontrollierte Wiederholung das Gehirn umlernen lässt.
Beides gehört idealerweise unter physiotherapeutische Anleitung, gerade am Anfang. Die Übungen aus den vorherigen Abschnitten sind eine sinnvolle Ergänzung, sobald du sicher stehst.
Häufige Fragen
Kann man das Gleichgewicht in jedem Alter trainieren?
Ja. Gleichgewicht ist eine Fähigkeit, die auf Training reagiert, und der Nutzen ist im Alter sogar am größten. Eine Auswertung von 108 Studien zeigt, dass Übungsprogramme mit Gleichgewichtsanteil die Sturzrate bei über 65-Jährigen um rund ein Viertel senken. Wichtig ist nur, die Übungen an der eigenen Grenze zu machen: Wo nichts wackelt, wird nichts trainiert.
Wie oft und wie lange sollte man Gleichgewicht trainieren?
Dreimal pro Woche zehn Minuten reichen aus und wirken besser als eine lange Einheit pro Woche. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit. Erste Fortschritte spürst du nach zwei bis drei Wochen, messbar wird es meist nach vier bis sechs.
Wie lange sollte man auf einem Bein stehen können?
Das hängt stark vom Alter ab. Mit offenen Augen sind zwischen 18 und 39 Jahren rund 43 Sekunden der Durchschnitt, mit 60 bis 69 Jahren etwa 27 Sekunden und ab 80 nur noch etwa sechs. Mit geschlossenen Augen brechen diese Werte auf wenige Sekunden ein, auch bei jungen Menschen. Wichtiger als der Absolutwert ist, wie er sich über die Wochen verändert.
Braucht man Geräte für das Gleichgewichtstraining?
Nein. Einbeinstand, Zehenstand, Ausfallschritt und Waage kommen ohne alles aus, und ein Sofakissen ersetzt für den Anfang jeden weichen Untergrund. Geräte wie Balance Pad, Therapiekreisel, Balance Kissen oder Balance Board sind dann sinnvoll, wenn die Übungen ohne Ausrüstung zu leicht werden oder wenn du nach einer Verletzung gezielt am Sprunggelenk arbeiten willst.
Welches Gerät ist für Anfänger am besten?
Das Balance Pad, weil es nachgibt statt zu kippen und deshalb nicht wegrutschen kann. Danach kommt das Balance Kissen, dessen Schwierigkeit sich über den Luftdruck einstellen lässt. Ein Balance Board ist das anspruchsvollste der vier Geräte und braucht am Anfang eine Wand zum Abstützen.
Helfen Gleichgewichtsübungen bei Schwindel?
Nur bedingt, denn bei Schwindel ist meist das Gleichgewichtsorgan im Innenohr selbst betroffen. Dann helfen Übungen zur Blickstabilisierung und zur Gewöhnung an die auslösende Bewegung, also die sogenannte vestibuläre Rehabilitation. Die Ursache des Schwindels gehört vorher ärztlich abgeklärt, weil die häufigsten Formen jeweils unterschiedlich behandelt werden.
Quellen und weiterführende Studien
- Sherrington C et al. (2019): Exercise for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database of Systematic Reviews
- Sherrington C et al. (2020): Exercise for preventing falls in older people living in the community: an abridged Cochrane systematic review. British Journal of Sports Medicine
- Lesinski M et al. (2015): Effects of Balance Training on Balance Performance in Healthy Older Adults: A Systematic Review and Meta-analysis. Sports Medicine
- Springer BA et al. (2007): Normative values for the unipedal stance test with eyes open and closed. Journal of Geriatric Physical Therapy
- McDonnell MN, Hillier SL (2015): Vestibular rehabilitation for unilateral peripheral vestibular dysfunction. Cochrane Database of Systematic Reviews
- Strupp M et al. (2020): Vestibular Disorders. Deutsches Ärzteblatt International
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wie funktioniert der Gleichgewichtssinn?
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Schwindel, wiederholten Stürzen oder plötzlich auftretenden Gleichgewichtsstörungen wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt.





