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Etwa jeder dritte Mensch über 65 stürzt mindestens einmal im Jahr. Und der wirksamste Schutz davor ist nicht Vorsicht, sondern Training: Übungsprogramme mit Gleichgewichtsanteil senken die Sturzrate um rund ein Viertel, ausgewertet über 108 Studien mit mehr als 23.000 Teilnehmenden (Sherrington et al., 2020).

Das Erfreuliche daran: Es braucht kein Fitnessstudio. Die wirksamsten Übungen sind die, die im Wohnzimmer an einer Stuhllehne stattfinden, zwei- bis dreimal pro Woche für zehn bis fünfzehn Minuten.

Hier stehen 29 Übungen, sortiert nach dem, was gerade geht: fünf im Stehen am Stuhl, sechs im Sitzen, vier Gehübungen, drei mit dem Gymnastikstab und elf mit Balance Pad, Board oder Kissen. Dazu ein Selbsttest, ein Wochenplan zum Ausdrucken und die Sicherheitsregeln, die vor der ersten Übung dran sind. Wer keine altersspezifische Anleitung sucht, findet in unserer allgemeinen Übungssammlung zum Gleichgewicht trainieren weitere Varianten.

Sicher trainieren: die Regeln vorab

Bitte zuerst lesen: Gleichgewichtstraining ist genau deshalb wirksam, weil es an der Grenze stattfindet. Damit aus dem Training kein Sturz wird, gelten diese Punkte ausnahmslos.

  • Immer eine Haltemöglichkeit in Reichweite: Eine stabile Stuhllehne, die Küchenzeile oder eine Wand im Rücken. Nicht am Stuhl festhalten, sondern nur die Hand auflegen, sonst trainiert der Arm statt des Gleichgewichts.
  • Fester Stand für den Stuhl: Kein Stuhl mit Rollen, kein rutschender Teppich. Am besten mit der Lehne gegen die Wand.
  • Barfuß oder in rutschfesten Socken: Die Fußsohle liefert einen großen Teil der Information. Glatte Socken auf Laminat sind die häufigste Ursache für Beinahestürze beim Üben.
  • Nicht direkt nach dem Aufstehen: Der Blutdruck braucht ein paar Minuten. Trainiere lieber am Vormittag oder Nachmittag.
  • Sofort abbrechen bei Schwindel: Auch bei Übelkeit, Herzrasen, Schmerzen in der Brust oder Atemnot. Setz dich hin und trink etwas.
  • Vorher Rücksprache halten: Nach einem Sturz, einer Operation, bei starkem Schwindel, bei Herzerkrankungen oder wenn du regelmäßig mehrere Medikamente nimmst, gehört das Training zuerst mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen.

Und während der Übungen: ruhig weiteratmen, den Rücken lang machen, den Bauch leicht anspannen. Wer die Luft anhält, macht es sich unnötig schwer.

Warum wird das Gleichgewicht im Alter schlechter?

Gleichgewicht entsteht aus drei Informationsquellen, die im Gehirn zusammenlaufen: dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr, den Augen und den Rückmeldungen aus Muskeln und Gelenken (gesundheitsinformation.de). Mit den Jahren wird jede dieser Quellen etwas ungenauer, und das summiert sich.

Der Gleichgewichtssinn im Überblick
  1. Weniger Muskelkraft: Der wichtigste Punkt, und der am besten beeinflussbare. Ab etwa dem 50. Lebensjahr geht Muskelmasse verloren, wenn nicht gezielt dagegen trainiert wird. Vor allem die Beinkraft entscheidet darüber, ob ein Stolperer aufgefangen wird oder in einem Sturz endet.
  2. Langsamere Nervenleitung: Die Meldungen aus Fuß und Sprunggelenk brauchen länger bis ins Gehirn, und die Antwort zurück in den Muskel ebenfalls. Der Ausgleich kommt dadurch später.
  3. Weniger Rückmeldung aus den Füßen: Die Rezeptoren in der Fußsohle werden unempfindlicher. Bei Diabetes kann das deutlich ausgeprägter sein.
  4. Nachlassende Sehkraft: Weil die Augen einen großen Teil der Orientierung liefern, wirkt sich jede Sehverschlechterung direkt auf die Standsicherheit aus. Eine aktuelle Brille ist deshalb Sturzprophylaxe. Gleitsichtbrillen sind auf Treppen tückisch.
  5. Veränderungen im Innenohr: Die Sinneszellen im Gleichgewichtsorgan nehmen ab. Dazu kommt der gutartige Lagerungsschwindel, der im Alter häufiger auftritt und sich gut behandeln lässt.
  6. Medikamente und Erkrankungen: Blutdrucksenker, Beruhigungs- und Schlafmittel, Entwässerungsmittel und viele Antidepressiva beeinträchtigen das Gleichgewicht. Wer vier oder mehr Medikamente nimmt, sollte die Liste einmal jährlich durchsehen lassen. Dazu kommen Arthrose in Knie und Hüfte sowie Erkrankungen der Nerven.

Der wichtigste Satz zum Thema: Nichts davon ist unvermeidlich, und nichts davon ist zu spät. Trainingsstudien zeigen Verbesserungen der Standsicherheit auch bei Menschen weit über 80 und selbst bei Pflegebedürftigen. Was zählt, ist Regelmäßigkeit, nicht der Startwert.

Selbsttest: wie gut ist das Gleichgewicht?

Zwei einfache Tests, für die du nur eine Uhr und einen Stuhl brauchst. Führe beide nur aus, wenn jemand in der Nähe ist oder du dich abstützen kannst.

Test 1: Einbeinstand

Arme vor der Brust verschränken, ein Bein anheben, Zeit stoppen bis der Fuß aufsetzt oder das Standbein versetzt wird. Zum Vergleich die Durchschnittswerte aus einer Untersuchung an 549 gesunden Erwachsenen (Springer et al., 2007):

AlterAugen offenAugen geschlossen
60 bis 69 Jahreetwa 27 Sekundenetwa 3 Sekunden
70 bis 79 Jahreetwa 15 Sekundenetwa 2 Sekunden
ab 80 Jahrenetwa 6 Sekundenetwa 1 Sekunde

Test 2: Fünfmal Aufstehen

Setze dich auf einen festen Stuhl, verschränke die Arme vor der Brust und stehe fünfmal so schnell wie möglich vollständig auf und setze dich wieder hin, ohne die Hände zu benutzen. Wer dafür mehr als etwa 15 Sekunden braucht oder es ohne Hände gar nicht schafft, hat vor allem ein Kraftproblem in den Beinen. Dann sind die Übungen #5 und #11 die wichtigsten in diesem Artikel.

Beide Tests alle vier Wochen wiederholen: Der Startwert sagt wenig, die Veränderung sagt alles. Notiere dir die Zeiten mit Datum, das ist die einfachste Erfolgskontrolle, die es gibt.

Wochenplan zum Ausdrucken

Dieser Plan kommt ohne jedes Gerät aus. Ein Stuhl reicht. Druck ihn aus und häng ihn dort auf, wo du ihn siehst.

TagÜbungenDauer
MontagBeinheben (#1), Knieheben (#2), Zehenspitzen (#3)etwa 10 Minuten
DienstagSitzübungen #6 bis #9etwa 10 Minuten
MittwochPause oder Spaziergang20 bis 30 Minuten
DonnerstagAufstehen ohne Hände (#11), Beinheben (#1), Hampelmann (#5)etwa 10 Minuten
FreitagTandemgang (#12) und Gehen mit Kopfdrehung (#14)etwa 10 Minuten
SamstagStabübungen #16 bis #18 oder Wiederholung vom Montagetwa 10 Minuten
SonntagPause
Jeden Tag nebenbeiZähneputzen mit Fersen leicht angehoben, an der Waschbeckenkante abgestützt2 Minuten

Nach vier Wochen: Wiederhole die beiden Tests von oben. Sind die Übungen leichter geworden, steigere nicht die Zahl der Wiederholungen, sondern die Schwierigkeit: weniger festhalten, Füße enger stellen, langsamer bewegen. Erst das bringt weiter.

Gleichgewichtsübungen für Senioren im Stehen

Alle Übungen in diesem Abschnitt finden am Stuhl statt. Lege eine Hand locker auf die Lehne, statt dich festzuhalten. Wenn es sicher läuft, nimm nur noch zwei Finger, dann gar keine Hand mehr. Genau darin liegt die Steigerung.

#1 Beinheben am Stuhl

Stelle dich seitlich neben den Stuhl und lege eine Hand auf die Lehne, die andere in die Hüfte. Hebe das äußere Bein gestreckt zur Seite an und senke es langsam wieder ab. Der Oberkörper bleibt aufrecht und kippt nicht zur Gegenseite. Fünf Wiederholungen je Seite.

#2 Knieheben am Stuhl

Gleiche Ausgangsposition. Ziehe das Knie so weit wie möglich nach oben und halte den Einbeinstand so lange, wie es sicher geht. Zweimal je Seite. Diese Übung ist die Alltagsbewegung für den Einstieg in Bus, Bahn und Badewanne.

#3 Auf Zehenspitzen stehen

Stelle dich hinter den Stuhl und halte die Lehne mit beiden Händen. Hebe die Fersen an und halte die Position, Brust und Oberkörper bleiben aufrecht. Langsam absenken. Zwei Durchgänge. Steigerung: nur noch mit einer Hand halten.

Diese Übung stärkt die Wadenmuskulatur, die beim Ausgleichen kleiner Wackelbewegungen als erste anspringt.

#4 Rumpfbeuge

Am Stuhl stehend langsam nach vorne beugen, so weit es angenehm geht, und ebenso langsam wieder aufrichten. Zwei Wiederholungen. Wichtig ist das kontrollierte Aufrichten, denn genau dabei wird vielen Menschen kurz schwindelig. Wenn das passiert: langsamer und weniger tief.

#5 Hampelmann

Die bekannte Bewegung, Arme und Beine öffnen und schließen. Sie muss weder schnell sein noch gesprungen werden: Setze die Füße abwechselnd zur Seite und führe die Arme dazu über den Kopf. So bleibt die Belastung für Knie und Rücken gering, während Koordination und Rhythmusgefühl trainiert werden. Zehn bis zwanzig Wiederholungen.

Gleichgewichtsübungen für Senioren im Sitzen

Diese Übungen funktionieren auch bei eingeschränkter Mobilität, nach einer Operation oder an Tagen, an denen das Stehen unsicher ist. Setze dich für alle Übungen auf die vordere Kante eines festen Stuhls, die Füße stehen fest auf dem Boden.

#6 Fußkreisen

Hebe einen Fuß leicht an und kreise mit dem Fußgelenk, 15 bis 20 Umdrehungen in eine Richtung, dann in die andere. Zweimal je Fuß. Das hält das Sprunggelenk beweglich, und ein bewegliches Sprunggelenk ist die Voraussetzung für jedes Ausgleichen im Stand.

#7 Ferse und Zehen heben

Hebe beide Fersen an, sodass nur die Zehen aufliegen, senke sie ab und hebe dann die Zehenspitzen an. Fünf Wiederholungen im Wechsel. Diese Übung aktiviert die gesamte Unterschenkelmuskulatur und lässt sich auch am Esstisch oder im Wartezimmer machen.

#8 Beine heben

Die Hände liegen auf den Oberschenkeln. Strecke ein Bein waagerecht nach vorne aus, halte kurz und senke es langsam ab. Fünf Wiederholungen je Bein. Wer mag, nimmt beide Beine gleichzeitig, das fordert zusätzlich die Bauchmuskulatur.

#9 Zum Boden greifen

Beuge dich langsam nach vorne, bis du mit den Fingerspitzen die Füße oder den Boden berührst, und richte dich ebenso langsam wieder auf. Zwei Wiederholungen. Auch hier gilt: langsam aufrichten, damit der Kreislauf mitkommt.

#10 Gegenstand weitergeben

Nimm einen leichten Gegenstand in eine Hand, ein Buch oder eine gefüllte Wasserflasche. Schließe die Augen und reiche ihn von einer Hand in die andere, vor dem Körper und über dem Kopf. Fünf Wiederholungen. Mit geschlossenen Augen muss dein Körper die Lage der Arme allein aus den Gelenken heraus einschätzen, und genau das ist der Trainingsreiz.

#11 Aufstehen ohne Hände

Die wichtigste Übung dieses Abschnitts. Stehe von der Stuhlkante auf, ohne die Hände zu benutzen, und setze dich kontrolliert wieder hin. Zwei bis fünf Wiederholungen. Wenn es nicht geht, nimm einen höheren Stuhl oder lege ein Kissen auf die Sitzfläche, und arbeite dich über die Wochen nach unten. Beinkraft ist der Faktor, der Stolperer von Stürzen trennt.

Gleichgewichtstraining für Senioren

Gehübungen und Koordination im Alltag

Stürze passieren fast nie im ruhigen Stand, sondern beim Gehen, Drehen und Umdrehen. Deshalb gehören Gehübungen dazu. Trainiere sie in einem Flur, wo du dich links und rechts an der Wand abstützen kannst.

#12 Tandemgang

Gehe auf einer gedachten Linie, sodass die Ferse des vorderen Fußes direkt vor den Zehen des hinteren aufsetzt. Zehn Schritte vorwärts, umdrehen, zurück. Wenn das sicher gelingt, ohne Hand an der Wand.

#13 Rückwärtsgehen

Fünf bis zehn Schritte rückwärts, eine Hand an der Wand. Rückwärtsgehen fehlt im Alltag fast vollständig, und genau deshalb wird es schnell unsicher. Nur auf freier, bekannter Strecke üben.

#14 Gehen mit Kopfdrehung

Gehe normal und drehe dabei den Kopf abwechselnd nach links und rechts, so als würdest du Regale absuchen. Die Kopfdrehung stört das Gleichgewichtsorgan und die Orientierung über die Augen gleichzeitig, deshalb ist genau diese Bewegung im Alltag so oft der Auslöser. Zehn Schritte, dann Pause.

#15 Gehen mit Denkaufgabe

Gehe und zähle dabei rückwärts von 100 in Dreierschritten, oder nenne Tiere mit einem bestimmten Anfangsbuchstaben. Solche Doppelaufgaben trainieren genau die Situation, in der die meisten Stürze passieren, nämlich beim Gehen und gleichzeitigen Nachdenken. Ihr Nutzen für die Sturzprävention ist inzwischen gut untersucht (Meta-Analyse, 2024).

Gleichgewichtsübungen mit dem Stab

Ein Gymnastikstab tut es, ein Besenstiel genauso. Der Stab gibt der Bewegung eine klare Führung und macht sichtbar, ob der Oberkörper gerade bleibt. In Seniorengruppen gehört er zur Standardausrüstung.

#16 Stab über dem Kopf

Halte den Stab mit beiden Händen schulterbreit vor dem Körper und führe ihn langsam über den Kopf nach hinten, so weit es ohne Schmerz geht, und wieder zurück. Fünf Wiederholungen. Das öffnet den Brustkorb und wirkt der vornübergebeugten Haltung entgegen, die das Gleichgewicht zusätzlich erschwert.

#17 Stab balancieren

Stelle den Stab senkrecht auf die flache Hand und balanciere ihn, ohne ihn zu greifen. Zuerst im Sitzen, dann im Stehen, dann auf der anderen Hand. Eine Übung, die Auge, Hand und Rumpf gleichzeitig beschäftigt und dabei nicht anstrengend ist.

#18 Ausfallschritt mit Stab

Stelle den Stab senkrecht neben dich auf den Boden und halte ihn wie einen Wanderstock. Mache einen kleinen Schritt nach vorne, senke das Gewicht ab und komme wieder hoch. Fünf Wiederholungen je Bein. Der Stab gibt Sicherheit, ohne dass du dich wie an einer Lehne hochziehen kannst.

Gleichgewichtsübungen für Senioren mit dem Balance Pad

Ein Balance Pad ist ein weiches Schaumstoffkissen. Es kippt nicht, sondern gibt unter dem Fuß nach. Damit ist es das gutmütigste der drei Geräte und für den Einstieg das richtige. Stelle es für alle Übungen neben einen Stuhl oder vor eine Wand.

Balance Pad für Senioren

ALPIDEX Balance Pad

Weicher Untergrund ohne Kippgefahr
Das Pad misst 40 mal 34 mal 5 Zentimeter und bietet damit Platz für beide Füße. Der Schaum gibt nach, rutscht aber nicht weg, und die niedrige Bauhöhe macht das Auf- und Absteigen unkompliziert. Drei Fitnessbänder liegen bei.

#19 Auf- und Absteigen

Steige mit beiden Füßen nacheinander auf das Pad, halte kurz die Balance und steige wieder ab. Zehn Wiederholungen. Der Wechsel zwischen festem und weichem Untergrund ist hier der Trainingsreiz, springen musst du dafür nicht.

#20 Kniebeuge auf dem Pad

Stelle dich schulterbreit auf das Pad, eine Hand an der Stuhllehne. Beuge die Knie leicht, so weit es angenehm ist, und komme wieder hoch. Auch eine kleine Beugung wirkt, weil der weiche Untergrund die Muskulatur am Sprunggelenk zusätzlich fordert.

#21 Einbeinstand auf dem Pad

Ein Fuß auf dem Pad, der andere schwebt, eine Hand an der Lehne. Halte einige Sekunden und wechsle die Seite. Das ist die direkte Steigerung von Übung #2 und die wirksamste Übung mit dem Pad.

Gleichgewichtsübungen für Senioren mit dem Balance Board

Ein Balance Board ist ein Brett, das auf einer Rolle balanciert wird. Es ist das anspruchsvollste Gerät in diesem Artikel und nur dann sinnvoll, wenn der Einbeinstand auf dem Pad sicher gelingt. Stelle es an eine Wand, lege die Hände auf und übe die ersten Wochen ausschließlich so. Was das Board dabei im Körper anspricht, steht ausführlich im Beitrag über Balance Board und Tiefenmuskulatur.

Balance Board mit Korkrolle

Wahu Board Ocean Blue

Gekrümmtes Balance Board in hochwertigem Design
Beim Wahu Board Ocean Blue treffen sich funktionale Formgebung, schickes Design und umweltbewusste Herstellung. Das Board ist leicht und kompakt. Die Krümmung des Bretts gibt den Füßen auch bei starker Neigung Halt, was den Einstieg erleichtert.

#22 Sanftes Hin und Her

Stelle dich hüftbreit auf das Board und verlagere das Gewicht langsam von links nach rechts, sodass die Kanten abwechselnd den Boden berühren. Beine und Hüfte bleiben locker. Zehn Wiederholungen, durchatmen, zwei weitere Durchgänge.

Gewicht auf dem Balance Board verlagern

#23 Hüfte kreisen

Stehe locker auf dem Board, die Hände in den Seiten, und lasse die Hüfte kreisen. Zwanzig Sekunden in jede Richtung, zwei weitere Durchgänge. Die Übung lockert die Hüfte und schult das Gefühl dafür, wo der eigene Schwerpunkt liegt.

Hüftkreisen auf dem Balance Board

#24 Kniebeuge auf dem Board

Breitbeinig auf das Board stellen, die Balance halten, dann langsam die Knie beugen. Der Rücken bleibt gestreckt. Langsam aufrichten. Drei Wiederholungen reichen, denn die Oberschenkel arbeiten hier deutlich mehr als am Boden. Eine Übung für Geübte.

Kniebeuge auf dem Balance Board

#25 Ausfallschritt zum Board

Stelle dich etwa eine Schrittlänge vor das Board und setze den rechten Fuß darauf, das Knie im rechten Winkel. Das hintere Knie bleibt in der Luft. Richte dich wieder auf, vier Wiederholungen, dann Seite wechseln. Trainiert Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur mit.

Ausfallschritt zum Balance Board

#26 Plank auf dem Board

Stütze die Arme schulterbreit auf dem Board ab, die Beine gestreckt, der Körper bildet eine gerade Linie. Zwanzig bis dreißig Sekunden sind für den Start ein guter Wert. Brich ab, sobald die Hüfte absackt. Wer Beschwerden in Schultern oder Handgelenken hat, lässt diese Übung aus.

Plank auf dem Balance Board

Gleichgewichtsübungen für Senioren mit dem Balance Kissen

Ein Balance Kissen ist ein luftgefülltes Gummikissen. Sein Vorteil im Alter: Über den Luftdruck stellst du selbst ein, wie wackelig es sein soll. Wenig Luft heißt fast fester Stand, viel Luft heißt echte Herausforderung. Zusätzlich lässt es sich als Sitzkissen nutzen, wo es die Rumpfmuskulatur nebenbei beschäftigt.

Balance Kissen aus Gummi

TOGU Dynair Ballkissen Senso

Schwierigkeit über den Luftdruck einstellbar
Luftgefülltes Kissen mit 33 Zentimetern Durchmesser, eine Seite mit Noppen für zusätzliche Reize an der Fußsohle. Weil sich der Druck jederzeit anpassen lässt, wächst das Kissen mit dem Trainingsstand mit. Als Sitzkissen auf dem Stuhl ebenfalls verwendbar.

Hinweis: Sogar für Hunde gibt es mittlerweile Balance Kissen.

#27 Auf- und Absteigen

Kissen auf eine ebene Fläche legen, eine Hand an der Stuhllehne. Mit einem Fuß aufsteigen, den zweiten nachziehen, kurz halten, kontrolliert absteigen. Zehn Wiederholungen.

#28 Einbeinig stehen

Ein Bein auf dem Kissen, das andere angehoben, einige Sekunden halten. Mit wenig Luft im Kissen ist das gut machbar, mit mehr Luft wird es schnell anspruchsvoll. Das ist die einfachste Art, die Übung über Monate zu steigern, ohne ein neues Gerät zu brauchen.

#29 Kniebeuge auf dem Kissen

Mit beiden Füßen auf das Kissen stellen, die Arme nach vorne strecken, langsam in die Hocke gehen und kontrolliert zurückkommen. Achte darauf, dass die Knie nicht nach innen kippen, das passiert auf weichem Untergrund leichter als am Boden.

Gleichgewichtsstörungen und Schwindel im Alter

Training hilft gegen Unsicherheit, aber nicht gegen jede Ursache. Wenn Schwindel im Spiel ist, gehört zuerst geklärt, woher er kommt, denn die häufigsten Formen werden unterschiedlich behandelt (Strupp et al., 2020).

  • Gutartiger Lagerungsschwindel: Kurze, heftige Drehschwindelattacken beim Umdrehen im Bett, beim Hinlegen oder beim Blick nach oben. Die häufigste Schwindelform im Alter, und mit einem einfachen Lagerungsmanöver in der Praxis meist in wenigen Sitzungen behoben. Dafür lohnt sich der Arztbesuch besonders (gesundheitsinformation.de).
  • Schwindel beim Aufstehen: Kurzes Schwarzwerden vor den Augen deutet auf einen Blutdruckabfall hin. Häufig sind Medikamente beteiligt. Lass die Medikamentenliste durchsehen und stehe grundsätzlich in zwei Schritten auf: erst an die Bettkante setzen, kurz warten, dann aufstehen.
  • Dauerhafte Unsicherheit ohne Drehschwindel: Das ist oft genau das, wogegen die Übungen in diesem Artikel wirken. Auch hier lohnt sich eine Abklärung, vor allem der Augen und der Nervenfunktion in den Beinen.

Sofort ärztlich abklären lassen: Bei plötzlich auftretendem starkem Schwindel, bei Schwindel zusammen mit Sprach-, Seh- oder Gefühlsstörungen, einseitiger Schwäche oder starken Kopfschmerzen, sowie nach einem Sturz auf den Kopf. Das ist keine Sache fürs Training.

Ein Punkt noch, der außerhalb jedes Trainingsplans liegt und trotzdem wirkt: die Wohnung. Lose Teppichkanten, fehlendes Licht im Flur, ein rutschiger Badezimmerboden und Kabel quer durch den Raum sind an einem großen Teil der Stürze zu Hause beteiligt. Programme, die Training und Wohnungsanpassung kombinieren, wirken besser als Training allein (Übersichtsarbeit, 2021).

Häufige Fragen

Was sollten Senioren beim Gleichgewichtstraining beachten?

Immer eine Haltemöglichkeit in Reichweite haben, aber die Hand nur auflegen statt sich festzuhalten. Barfuß oder in rutschfesten Socken trainieren, nicht direkt nach dem Aufstehen und nicht auf rutschendem Untergrund. Ruhig weiteratmen, den Rücken lang machen. Bei Schwindel, Übelkeit oder Schmerzen sofort abbrechen. Nach Stürzen, Operationen oder bei mehreren Medikamenten vorher ärztlich abklären lassen.

Wie oft sollten Senioren das Gleichgewicht trainieren?

Zwei- bis dreimal pro Woche für zehn bis fünfzehn Minuten. Studien zur Sturzprävention zeigen den größten Nutzen, wenn insgesamt etwa drei Stunden pro Woche Bewegung zusammenkommen, davon ein deutlicher Anteil Gleichgewichtstraining. Regelmäßigkeit schlägt Umfang: Täglich fünf Minuten wirken besser als einmal pro Woche eine Stunde.

Welche Gleichgewichtsübungen gehen im Sitzen?

Fußkreisen, abwechselndes Heben von Fersen und Zehenspitzen, das Ausstrecken der Beine, das Vorbeugen zum Boden, das Weitergeben eines Gegenstands mit geschlossenen Augen und vor allem das Aufstehen ohne Hände. Die letzte Übung ist die wichtigste, weil Beinkraft darüber entscheidet, ob ein Stolperer aufgefangen wird.

Ab wann ist es zu spät, mit dem Training anzufangen?

Gar nicht. Trainingsstudien zeigen Verbesserungen der Standsicherheit auch bei Menschen weit über 80 und selbst in Pflegeeinrichtungen. Der Startwert spielt keine Rolle, entscheidend ist, dass regelmäßig geübt wird und dass die Übungen zum aktuellen Können passen.

Helfen Gleichgewichtsübungen gegen Schwindel?

Das hängt von der Ursache ab. Gegen dauerhafte Unsicherheit beim Stehen und Gehen helfen sie gut. Beim gutartigen Lagerungsschwindel, der häufigsten Form im Alter, hilft dagegen ein Lagerungsmanöver in der ärztlichen Praxis, oft in wenigen Sitzungen. Und Schwindel beim Aufstehen hängt häufig mit Medikamenten zusammen. Deshalb gehört die Ursache zuerst geklärt.

Welches Gerät eignet sich für Senioren am besten?

Das Balance Pad, weil es nachgibt statt zu kippen und deshalb nicht wegrutschen kann. Danach das Balance Kissen, dessen Schwierigkeit sich über den Luftdruck einstellen lässt und das damit über Monate mitwächst. Ein Balance Board ist erst sinnvoll, wenn der Einbeinstand auf weichem Untergrund sicher gelingt. Für den Anfang braucht es überhaupt kein Gerät, ein stabiler Stuhl reicht.

Quellen und weiterführende Studien

Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Sprich vor dem ersten Training mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, besonders nach einem Sturz, nach einer Operation oder wenn du regelmäßig Medikamente einnimmst.

Max ist begeisterter Stand Up Paddler und betreibt den SUP Blog stand-up-paddling.org. Auf der Suche nach ähnlichen Sportarten für den Winter ist er auf Balance Boards gestoßen. Bei BalanceWaves ist er als Editor tätig.

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